Bio

English Version here.

Schon als Kind interessierte mich alles, das mit Kunst zu tun hatte. Ich hatte die Ahnung, dass Kunst etwas Heiliges, Alltägliches, Erbauliches, Bewegendes, Veränderndes und Erhaltendes sein könnte.

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Ein Bild ist eine Tür

Und suchte danach. Ich las, schaute, hörte, nahm auf, was ich nur aufnehmen konnte und träumte davon auch selbst etwas zu erschaffen. Ein Gemälde mit echten Ölfarben, einen Roman, reimende Gedichte, Melodien, Rhythmen und Lieder. Eine Tanzdarbietung, die zu Tränen rühren würde. Kunst und Kreativität zogen mich magisch an. Ich nahm mein Umfeld sehr intensiv wahr und liebte es meine persönlichen Eindrücke mit der vorgefundenen Kunst zu vermischen: mir vorzustellen, wie ich ausdrücken könnte, was in mir vorgeht.

Aber wer war ich, das zu tun? So etwas. Etwas so, so, mir so wichtiges, besonderes, heiliges…

In meiner Familie, in meinem Freundeskreis  war ich ganz allein mit meinem Interesse und dem inneren Drang kreativ zu sein. Ich merkte, dass meine Lieben sich unbehaglich fühlten, wenn ich „davon“ anfing und ohne es zu entscheiden, anscheinend automatisch, versteckte ich mein Interesse und war nur heimlich kreativ.

Heimlichkeit schränkt sehr stark ein!

Und sie kann zur Gewohnheit werden.

Und sie verhindert, dass man Gleichgesinnte findet.

So kam es, dass nach Auszug von Zuhause nur meine allerbeste Freundin und mein Freund wussten, dass ich „schrieb“ und gern „malen“ wollte (jeweils mit nervösem Raunen auszusprechen). Meine Freundin nahm mein dunkles Geheimnis mit nach Griechenland, wo sie eine Familie gründete und für immer blieb. Und mein Freund wurde mein Mann und unterstützte mich so gut er konnte und ich zuließ.

Ich ging nicht in die Schreibgruppen an der Uni. Ich ging nicht in Malkurse an der Volkshochschule. Ich ging nur dahin, wo ich absolut sicher sein konnte, dass ich anonym bleiben würde. Eine in der Menge. Eine, die die Kunst anderer bewundert und aufnimmt. Keine, die selbst etwas erschaffen könnte.

Heimlichkeit ist nicht heimelig. Sie macht einsam. Sie ist eine Wunde in der Seele, und sie wird irgendwann zum Selbstverrat.

Anstatt Kunst zu schaffen, organisierte ich Kunst: Ich arbeitete mehrere Jahre in der Kultur-Abteilung einer Stadtverwaltung. Und stellte fest, das schmerzt, ich stehe auf der falschen Seite. Mir war bewusst, dass ich das was mich ausmacht, meine Leidenschaft, meine Liebe, meinen Selbstausdruck  unterdrückte und nur für andere Raum schuf. Mit Ende 20 erlebte ich eine Art Zusammenbruch, nach dem ich mich aufmachte endlich sichtbar ich selbst zu sein. Aber es fiel mir sehr schwer.

Ein Wendepunkt kam 2005 bzw. 2008, als mein Mann und ich Eltern von zwei Töchtern wurden.

Eine Liebe, so intensiv, dass sie kaum auszuhalten ist. Niemals, niemals könnte ich diese Liebe verheimlichen, niemals würde ich das wollen.

Die Vorstellung, dass meine Töchter sich ebenso verbergen würden, wenn ich ihnen das vorlebte, war mir so gräßlich, dass es mir gelang mich zu „Outen“. Zunächst indem ich täglich mit den Kindern kreativ war, alles offen ausprobierte, mich in Kindergarten und Grundschule überall kreativ einbrachte, wo nur möglich. Fake it till you make it. Ich tat so, als sei ich schon immer so offen kreativ gewesen und niemand zweifelte daran. Ich fühlte mich wohl in der Rolle der kreativen Mama.

Bis diese Rolle nicht mehr ausreichte. Als die Kinder zum Ende der Grundschule in ihrer Kreativität selbständiger wurden, unabhängig sein wollten. Und ich diese Ausrede kreativ zu sein nicht mehr hatte.

Da habe ich das „Chaoszimmer“ aufgeräumt, Platz geschaffen: Den großen Esstisch, der dort stand freigeräumt, um immer ein Projekt darauf bereit zu halten. Ein Regalfach mit Farben, Pinseln, Mixed media Material gefüllt. Aus dem Regalfach wurde erst das ganze Regal, dann ein Familien-Erbstück-Wohnzimmerschrank. Mein Mann schenkte mir die Staffelei zu Weihnachten. Ich fand den Kurs „Life Book“ von Tamara Laporte zur Vertiefung von Mixed Media Kenntnissen und dort als Wochenthema „Intentional Creativity“, absichtsvolles Malen in Acryl, und habe seit her nicht einen Tag ohne Malen verbracht.

Ich male absichtlich absichtsvoll. Und meine Absicht ist immer: Mich und die Welt entdecken, mich und meine Welt ausdrücken und noch ein wenig mehr ich selbst sein. Vor aller Augen. Denn das tut allen gut.

Sich nicht mehr zu verbergen ist wie warmer Sonnenschein im Frühling.

Täglich kreativ zu sein ist wie tiefes Durchatmen in der frischen Luft des frühen Morgens.

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Dänemark, Oktober 2018

Und das mit anderen zu teilen – ist wie tanzen!

Ohne offene, gelebte Kreativität bin ich nur mein halbes Ich.

Tanz mit!

 

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