Kirche, Natur, John Wayne und die Wasserfrau – meine erste öffentliche Rede als Huppicke

ja, Wenden ist meine Heimat und ich freue mich, dass meine allererste solo-Ausstellung in dem schönen Treppenhaus des Rathaus stattfinden darf.

Meine Heimat ist Wenden und es ist mir wichtig, denn es hat mich geprägt. Besonders geprägt  – treten Sie vors Rathaus und schauen nach links – die Kirche.  Und sie brauchen nicht viel länger laufen und Sie finden die wunderbare Natur um Wenden herum. Unsere Kirche unsere Natur.

In der Kirche fand ich als Kind Malerei, Bildhauerei, Architektur, Poesie, Musik als meine Zuflucht. Ich hing gerne allein dort ab, dann konnte ich mir ungestört alles anschauen. Viele Male bin ich in den Fastenzeiten an unserem Kreuzweg entlang gegangen und habe die Bilder auf mich wirken lassen, sie sind im Stil alter Meister gemalt. Damals fand ichs verwirrend, dass der fiese Schächer mit dem Speer eine Hose in der selben Farbe trug wie John Wayne wenn er die hilflosen Fräulein der weiten Prärie rettete, liebe aber seitdem seltsame Verbindungen. Hauptsächlich aber, Damals hat mir das Wort dafür gefehlt, ich habe mich „erbaut“ gefühlt, d.h. was in mir sich unangenehm und unpassend anfühlte wurde genommen und umgebaut um dann leichter, erträglicher zu sein. Jeder Mensch hat solches in sich, mehr oder weniger bewusst.  Meine Definition von Kunst ist daher – es packt mich, es hält mich, betört mich, es wandelt mich, es zeigt mir, manchmal gegen meinen Willen, wer ich bin, wer ich sein will, was ich bewegen möchte und was mir gleichgültig ist, es bringt mich bis an meiner Sehnsucht Rand. ES – nicht sie, die Kunst, es, das, das auch durch Kunst wirkt. Klingt jetzt etwas Harry Potter-haft. Aber viele Menschen tun ja auch so, als sei kunst voldemort – der nicht genannt werden darf. Und damit komm ich zurück zum zweiten Einfluss.

Der zweite Wendener Einfluss ist die Natur, die sichtbare, anfassbare Schaffenskraft. Sie, die überall ist. Ich liebte es allein umherzustreifen, besonders an Sommertagen mich quer durch den Wald zu schlagen. Die wundervolle Farbpalette eines heißen Sommertages im Wald! Manchmal hatte ich die Blockflöte dabei und Bücher. Ich kam mir sehr romantisch vor noch bevor ich je von der Romantik Eichendorff, Caspar david Friedrich, william blake gehört hatte Die Erinnerung daran finden Sie auf dem Bild Ecotone ein Stockwerk tiefer.

Wenn Sie mir gestatten es frech zu behaupten: Ich zähle meine Bilder zum magischen Realismus, auch wenn ich kunst nicht studiert habe und daher ja vermutlich kein Anrecht auf Einordnung in die kunstgeschichte. Ihnen zugrunde liegt immer der Versuch mir selbst eine Geschichte zu erzählen oder eine meiner Lebensgeschichte umzuschreiben. Sie finden kurze Hinweise neben den Bildern, mit denen Sie evtl. wenig anfangen können. Es sind ja auch meine Geschichten, die ich da andeute. Und da ich nun von Geschichten spreche – meine Kunst entsteht als Intentional Creativity. Ich bin Mitglied der Intentional Creativity Guild, deren Ziel unter anderem ist Frau und Mädchen und die Männer die Frauen und Mädchen achten und lieben mit Kreativität zu selbstliebe, Selbstachtung und Selbstausdruck zu ermächtigen. Intentional Creativity, das Malen ist ein Mittel für Selbsterkenntnis und zur inneren Stärkung gedacht, eine Entscheidungshilfe dafür zu sein, die man wirklich ist und welche geschichten man sich selbst über sich selbst erzählen möchte. Schaffensabsicht, Selbsterforschung, Vorstellungskraft und Einsicht sind die metakognitiven Stationen im Schaffensprozess die zu all diesen Bildern geführt haben.

Ich bin nicht bitter über die Witze über Frauen über 50, die mit dem Malen anfangen, über Kommentare, dass Bilder häßlich, esoterisch, langweilig, zu schön seien.  Aber ich bin bitter über jede einzelne Frau, die ihre Kreativität unterdrückt, weil sie solche Kommentare schonmal gehört hat, die glaubt ihre Form der Kreativität sei unwichtig und frivole Zeitverschwendung, nicht nützlich.

Wenn das eine oder andere Bild Sie beim betrachten anspricht, dann wäre ich froh, und wenn es sie dazu bringt zu Papier und Farbe zu greifen, wäre ich noch froher.  Aus meinem Atelier hinaus ins Wendener Rathaus und vielleicht sogar irgendwann zu Ihnen nach Hause fände ich wunderbar für meine Bilder, für die Bewegung der Kreativität mit Absicht Selbstausdruck.

Wer von den Wendenern hier noch keine Wasserfrau im Wendebach gesehen hat, der hat am stillen Sommerabend noch nicht lange genug hineingeschaut und dann gezeichnet. Ist aber nicht schlimm – heute haben Sie ja erst mal meine Bilder. Ich hoffe Sie haben nun Freude daran.

Die innere Kritikerin und die innere Muse

Ich muss gestehen, eigentlich finde ich das Wort Muse nicht sehr ansprechend. Denn augenblicklich steht mir vor Augen: ein männlicher Künstler – und die Frauen seiner Umgebung entweder Dienstpersonal oder Musen (oder beides), je nachdem wie attraktiv ihr Aussehen. Manche Maler haben eine Dauermuse, manchmal ständig neue. Es sind reale Frauen und sie haben sich anschauen und abmalen lassen, manchmal, wie verrucht, nackt, oft auch nicht, jedenfalls sind sie selbst NICHT kreativ. In manchen Fällen wird ihre Kreativität sogar aktiv unterdrückt und verschwiegen. Schönes Leben für die Musen.

Bei Intentional Creativity wird das Wort Muse nicht so verwendet. Es geht zwar ähnlich wie die Muse des Malers zurück auf die griechischen Göttinnen der Künste und es deutet auch auf die hin, die die Künstlerin inspiriert, doch sie ist kein Wesen außerhalb sondern sie gehört zum Ich der Künstlerin. Sie ist die innere Stimme, die ungeheuer kreative Ideen hat, die starke leidenschaftliche Sehnsüchte und Bedürfnisse hat, die wild und rücksichtslos, sanftmütig und gütig sein kann und häufig sehr gefühlvoll und völlig unberechenbar ist – und deshalb in unsere heutige Welt nicht mehr gut hineinpasst.

Stattdessen haben gerade wir Frauen uns lieber eine innere Kritikerin zugelegt. Sie kommentiert alles was wir tun unaufhörlich, gerne sehr negativ. Sie vergleicht, macht schlecht, ist schlecht gelaunt und wählt sehr sehr gemeine Worte. Sie hat die Fähigkeit mich zum Weinen zu bringen und macht mich so fertig, dass ich mich nur noch betäuben möchte. Mit Schokolade, oder Binge-Watching. Aber sie bringt mich auch dazu mich anzupassen, Dinge zu schaffen, die Anerkennung bringen und für andere pflegeleicht zu bleiben. Denn eigentlich ist sie die pure Unsicherheit.

Intentional creativity hat folgende Theorie: Unsere innere Stimme ist eigentlich unsere Muse. Diejenige die direkten Kontakt zu unserer Seele hat, die Zugriff hat auf alles Gesehene, Erlebte, also auch Kontakt zu allen Ebenen des Ichs. Aber sie hat ihre eigene Sprache. Die Kreativität. Nur wenn wir sie hegen und pflegen mit kreativem Selbstausdruck und nur wenn wir sie unterstützen und ihre Anregungen aufnehmen, dann habe wir auch die weise, wissende Unterstützerin, die beste Freundin in unserer Muse.

Lehnen wir sie aber ab, vertrösten sie und wollen so gar nicht auf ihre Bedürfnisse eingehen, dann wird sie verbittert und verwandelt sich langsam in die Kritikerin. Da wird uns ihre ganze Macht bewusst, sie macht uns das Leben schwer.

Das gute ist: Man kann den Prozess wieder umdrehen. Indem man die innere Kritikerin mit Güte behandelt und indem man kreativ wird und tut, was man (die Muse) schon immer mal seit früher Jugend ausprobieren wollte. In Intentional Creativity haben wir Workshops um die Musenhaftigkeit der inneren Stimme hervorzulocken. Besonders geeignet um herauszufinden oder zu erinnern, was man seit Jugendzeiten wirklich mal gerne ausprobiert hätte und besonders geeignet für Frauen, die gerne malen würden, aber glauben, sie können es nicht.

Intentional Creativity ist nicht Malen nach Zahlen

Jeder Knochen ist ein kreativer Knochen. Every bone is a creative bone.

Das sagen die Künstlerinnen Sue Hoya Sellers und Shiloh Sophia McCloud so.

Meine Knochen nicht – sagst du vielleicht. Ich hab das nicht im Blut. Ich bin durch und durch unkreativ, ich kann das einfach nicht. Schon Malen nach Zahlen damals als ich 10 war ging immer schief. Mir kommen auch keine Ideen, ich bin nicht originell.

Lass uns kurz jeden Satz anschauen:

Mir kommen keine Ideen, ich bin nicht originell. Sicher? Oder ist es vielleicht eher so, dass du ein bisschen aus der Übung bist beim Träumen, weil deine innere Stimme immer sofort sagt: Sowas malen ist doch Quatsch/wertlos/kindisc/unmöglich/eingebildet… du weißt schon, was sie sagt. Man muss nicht von Inspiration und Einmaligkeit reden – du bist du! Das ist Einmaligkeit genug! Fang einfach mit abstraktem Malen an und schau, was du dann darin siehst. Von da aus geht es weiter. Niemand ist wie du, niemand denkt wie du, niemand assoziiert die gleichen Sachen (oder vielleicht doch – yay – dann hast du eine Mal-Kumpelin gefunden!)

Schon Malen nach Zahlen ging immer schief. Okay. Hast über die Linien gemalt? Oder dich bei den Farbnummern vertan? Hast du etwa auch nur mit Schablonen gezeichnet? Nicht schlimm. Oder doch schlimm, wenn das dazu geführt hat, dass du dich für nicht kreativ hältst. Ganze Generationen hat Malen nach Zahlen vom Experimentieren und fröhlichen drauflosmalen abgebracht. Schade, und wahrscheinlich auch nicht so gemeint. Intentional Creativity-Malen in Acryl ist kein Malen nach Zahlen. Es gibt keine Vorlagen und auch keinen nummerierten Farbplan. In einem Workshop male ich zwar vor aller Augen und gebe einzelne Schritte vor, aber was glaubst wie unterschiedlich 5 Frauen die Anweisung ausführen: „Wir suchen uns 3 Farben aus und malen mit der ersten große Kreise, mit der zweiten füllen wir die Kreise in groben Strichen aus und mit der dritten füllen wir alles weiß, dass übrig geblieben ist“. Und obendrein ermuntere ich auch noch zur Rebellion: „Ihr könnte auch gerne andere Symbole malen, welche auch immer euch vorschweben.“ Kein Bild wird wie das andere und von keinem wird gesagt: so ist es richtig, so ist es falsch. Du kannst das. Bei den Dingen, die du schwierig findest, folgst du meinen Worten und Pinselstrichen.

Ich kann das einfach nicht. Bitte programmier dich doch nicht so negativ. Ich pflegte früher immer zu klagen: Wenn ich einen Kreis malen will, wird es ein Ei und wenn ich ein Ei malen will wird es ein Kreis. Guck in der Galerie. Meine Eierkreise und Kreiseier halten mich nicht ab kreativ zu sein. Wir machen ja auch keinen Fotorealismus. Ist das Ei zu rund korrigieren wir das oder lassen es sein wie es sein will.

Ich bin durch und durch unkreativ. Aha. Ich wette, du hast ein kreatives Hobby. Zimmer dekorieren? Gartenarbeit? Hübsche Postkarten schreiben? Tidy up a la Marie Kondo im Kleiderschrank? Den Tisch festlich decken? Eine Party schmeißen? Oder sogar: Als Beamtin den Bescheid so formulieren, dass der Bürger nicht nur alles versteht sondern sogar Mut fasst Widerspruch einzulegen? Jeder kann irgendwas ein bisschen netter, bunter, ordentlicher, unordentlicher machen – soviel Kreativität reicht aus!

Ich hab das nicht im Blut. No creative bone – ich verstehe. Vielleicht magst du das Gedicht Ode an meine Schwester von Wislawa Szymborska lesen. Kreativität muss nicht vererbt werden. Kreativität kann auch eine Spontanmutation sein. Oder man „infiziert sich“ bei einer unbekannten Kreativen. Ich geb’s gerne weiter. Hatschi!

Intentional Creativity ist für die Anfängerin geeignet. Bald habe ich ein Freebie für dich. Komm wieder, damit du es dann ausprobieren kannst.

Layers – Farbschichten – Malen nach der Color of Woman-Methode

Intentional Creativity wirkt mit allen Kreativitätstechniken. Beim Malen mit Acrylfarben auf Leinwand hat sich eine gewisse Abfolge der Schritte bewährt – die Methode heißt Color of Woman – Farbe der Frau, da sie von Shiloh Sophia McCloud für Frauen, die sich nach innerer Ruhe, Heilung und nach Selbstfindung sehnten, entwickelt wurde.

Color of Woman ist eine Malmethode, mit der schon AnfängerInnen überzeugende Ergebnisse erzielen können. Erfahrene Malerinnen und Künstlerinnen wandeln die Methode natürlich komplett nach ihrem dafürhalten ab. Das Handwerk der Malerei ist nur Instrument für die Ausdruckskraft der Seele. Aber so viel Übung braucht es gar nicht. 🙂

Hier ein Bild, das nach den 13 Schritten der Color of Woman – Methode entstanden ist. „The Artist – Formgeberin/Bedeutungsbringerin“

Die Absicht, die Selbstbefragung, die erste Farbschicht:

Das Portal und der Schlüssel:

Sie erscheint. Skizze/Outlines – die Linien:

Farbflächen und „mind the glow“:

Weitere Farbschichten/-flächen, Symbole:

Farschichten, Layers, Details, Schatten, Lichter, vor und zurück, und dann:

„The Artist – Formgeberin/Bedeutungsbringerin“

Bildausschnitt. Das Unterbild scheint durch: