Wenn ein Verbrechen geschieht

Ich mochte immer den Titel von Jonathan Safran Foers Buch: „Extrem laut und unglaublich nah“. Das Buch handelt vom 11.September. Aber auch wenn nicht immer Bomben fallen, Verbrechen geschehen und manchmal sterben Menschen und egal ob dieses Verbrechen im Verborgenen geschah und ob jemand noch schreien konnte oder nicht – für jemanden ist es extrem laut und unglaublich nahe. Für die Angehörigen des Opfers.

In meinem Heimatort wurde am 30. Oktober ein 16jähriger Junge erwürgt. Von seinem 14jährigen Freund. Ein Leben auf immer beendet. Eines auf immer verändert.

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Legend-Detail: Wirbelwind

Ich weiß nichts über die Hintergründe. Ich kenne die Jugendlichen nicht. Ich weiß nicht, ob sie mir schon mal begegnet sind, ob mir ihre Eltern bekannt vorkämen. Ich kenne niemanden. Es geschah bei der Schule auf dem anderen Hügel. In dem Wald, in dem ich manchmal mit dem Hund spazieren gehe. Selten spazieren gehe.

Aber es ist extrem laut und unglaublich nah.

Ich muss immer wieder daran denken.

Der Getötete. Er starb in Not. Der Mörder. Tat das Unfassbare (Unverzeihliche). Die Eltern des Getöteten. Sie werden ihr Kind nie mehr in den Armen halten, nie mehr in diesem Leben. Dem hier nicht das Herz bricht, der hat kein Herz. Die Eltern des Mörders. Trauen sie sich ihr Kind weiter zu lieben? Können sie jemals wieder vertrauen? Und die Freunde und Freundinnen.

Ich stelle mir vor, dass das Verbrechen auf unseren Ort auf unsere Zeit gefallen ist – wie ein Stein in den Teich. Und nun ziehen dort die Kreise. Nah, die Welle ist entsprechend spürbar. Sehr viel mehr spürbar als all die vielen Wellen von den vielen Orten in denen Menschen getötet werden und doch kommen sie irgendwann an und die Welt ist in Unordnung und Unruhe. Wäre ein wenig mehr Ruhe in der Welt – vielleicht wäre alles anders.

Oder hat wer einen mächtigen, zerstörerischen Wirbelwind entfachen wollen? Warum hat Gott das zugelassen, wie er jeden Tag unzähliges Kinderleid zuläßt? Glauben fällt schwer.

Ihr alle die ihr vorüber geht… Keine Mutter sollte ihr Kind verlieren. Weder an den Tod, noch an das Böse.

Und dann dachte ich auch daran, dass man ihr in einem Jahr oder in zwei drei vier Jahren sagen wird: „Du hast nun genug getrauert, du musst auch wieder leben.“ Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Leben ohne Traurigkeit wieder möglich ist.

Maria, heilige Frau, lass deine Schwester nicht allein. Lass die Familien, Freunde, Klassenkameraden, Lehrer nicht allein. Lass weder Mörder noch Opfer allein. Dein Mantel behütet uns alle, doch anscheinend nicht so, wie ich es gern hätte. Trag Jona mit deinen eigenen Händen zu Gott. Nimm ihn in den Arm. Geh nicht vorüber. Sieh das Leid.

 

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