Ein Unfall und seine Folgen

Ende Juli 2016 hatte ich einen Autounfall. Ich fuhr an einem Freitagmorgen den üblichen Weg zur Arbeit. In der Nacht wollten wir zur Bretagne aufbrechen. Aber im ersten Wäldchen kamen mir zwei Autos entgegen, sehr schnell und etwas zu weit in der Mitte, ich lenkte ein wenig nach rechts und fand, mein Auto würde merkwürdig reagieren. Die Autos waren vorbei und ich lenkte sanft um mich zu vergewissern, dass alles funktionierte. Doch es funktionierte nicht. Das Auto ließ sich nicht lenken. Ich ging vom Gas und bremste, auch das Bremsen funktionierte nicht. Ich hatte das Auto nicht unter Kontrolle. Ich fühlte nur kurz Angst, keine Panik, sagte mir: Ich überlebe das jetzt. Für die Kinder und meinen Mann. Schloss die Augen und wurde durchgerüttelt, hörte sausen, brausen, rascheln, knacken, brechen und dachte: Ich überlebe das und es wird gut, egal wie. Als alles stille stand öffnete ich die Augen und sah, dass das Auto auf der Seite lag und ich vom Gurt gehalten wurde. Ich war bei Verstand und konnte alle Gliedmaßen bewegen.

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Im Auto war Rauch und für einen Moment geriet ich in Panik, weil ich dachte, es könnte brennen. Ich löste den Gurt und ließ mich auf den Boden. Glassplitter und Sachen, die durchs Auto geflogen waren. Ich merkte, dass mein Rücken sehr schmerzte. Er war steif und schwer. Ich konnte die Tür über mir nicht aufdrücken, aber ich sagte mir: ich komme hier raus.

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Ich hörte draußen Autos anhalten und Männerstimmen. Vertrauen, dass man mir hilft. Noch bevor ich nach hinten kletterte, öffnete mir ein Mann die Fahrertür über mir. Ich kletterte selbst raus. Ein anderer Mann  stand neben dem Auto, ich glitt hinunter in seine Arme. Es geht mir gut, sagte ich, ich bin nicht schwer verletzt. Die Männer sprachen mit mir, miteinander, dass der Notarzt verständigt sei, die Unfallstelle abgesichert. Ich legte mich an den Straßenrand, weil ich wusste, dass es besser für meinen Rücken sei. Beruhigte die besorgten Helfer, drei Männer. Es dauerte fast eine halbe Stunde bis der Notarzt kam. Mein Mann kam vorher.

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Im Krankenhaus stellte man fest: 3. Lendenwirbel, Deckeneinbruch. Der Mann kam mit den Kindern. Sie weinten. Ab aufs Zimmer. Am Montag operiert. Davor Schmerzen, danach Schmerzen. Davor so starke Schmerzen, dass ich fast ohnmächtig wurde, als ich mich aufsetzte. (Die Krankenschwestern hatten dazu ermutigt: „Sie können  nichts mehr kaputt machen, das geht!“)

Aber die ganze Zeit war ich unendlich dankbar. Überlebt. Ich dachte über den Unfall nach und merkte: Ich hatte mich die ganze Zeit beschützt gefühlt. Und das immer noch. Ich wurde beschützt. Von allem. Gott. Der Technik. Der Natur. Guten Mächten.

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Ich fragte mich, ob es mir nun passieren würde, wovon ich so oft gelesen hatte. Das mein Leben nun anders würde, weil ich anders wäre, jemand besseres, intensiveres, mehr ich als zuvor. Und ich hoffte, dass mir das passieren würde. Merkte aber schnell, dass ich ganz die alte war. Nur die Dankbarkeit war so groß. Und als ich wieder zu Hause war erinnerte ich mich an die Dinge, die ich von Shiloh Sophia McCloud über Intentional Creativity gelernt hatte und nahm Pappe und Pinsel zur Hand. Und dabei entstand das Bild ohne Namen. Das allererste ohne Anleitung. Mein ureigenes.

Titel: Vom Leben selbst beschützt.

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Und seither habe ich täglich absichtsvoll gemalt.

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